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Fake-News

Vom Versuch der Definition bis zu möglichen Gegenmaßnahmen von Politik und Zivilgesellschaft

Was sind Fake-News?

Fake-News sind derzeit in aller Munde, insbesondere hinsichtlich der anstehenden Bundestagswahl und weiterer wichtiger Wahlen wird dem Thema immer mehr innenpolitischer Relevanz beigemessen. Doch was sind Fake-News?

Nimmt man den Begriff auseinander, erhält man die Teilbegriffe fake und news. Fake bedeutet gefälscht oder künstlich, news sind Nachrichten oder allgemeiner auch Neuigkeiten. es geht also um für den Rezipienten neue Informationen über Ereignisse, die nicht natürlichen Ursprungs sind, sondern gefälscht oder künstlich herbeigeführt wurden. Verwandte Begriffe wären also die Zeitungsente, die Tatarenmeldung, der Hoax, die Propaganda und in gewisser Weise auch Clickbait. Fake-News reiht sich nicht natürlich in die bestehenden Begrifflichkeiten ein, sondern übernimmt Teile verschiedener Begriffe. Auch gibt es keine eindeutige Definition, weil der Begriff neu ist und für viele verschiedene Dinge benutzt wird. Hier ein Versuch der Einordnung.

Einordnung

Falschmeldung ist eine Kategorie für Informationen, die in irgend einer Art und Weise verbreitet wurden und nachweisbar nicht richtig sind. Ein Synonym dafür ist der Hoax. Eine Art von Falschmeldung ist die Zeitungsente, die Falschmeldungen in Nachrichtenmedien1 bezeichnet, sei es durch einen Irrtum oder durch eine bewusst Fehlinformation. Der Zeitungsente untergeordnet ist die Tatarenmeldung, die bewusst verbreitete Fehlinformationen benennt. Propaganda bezeichnet den Versuch, die öffentliche Meinung zu politischen Zwecken zu manipulieren und zu steuern2. Clickbait versucht auf Kosten des Wahrheitsgehalts Überschriften und Leads so zu gestalten, dass durch einen künstlich erhöhten Nachrichtenwert die Zahl der Benutzer, die auf einen Link zu einem Webangebot klicken, steigt. Es ist anzumerken, dass auch diese Einteilung nicht absolut trennscharf ist. So wurde Propaganda auch schon von Journalisten betrieben, um die Auflage zu steigern3.

Definition

Fake-News sind mit dem Ziel der Manipulation der öffentlichen Meinung verbreitete Informationen, die absichtlich falsch oder verfälscht wurden. Bevorzugt verbreitet werden sie in Online-Medien und sozialen Netzwerken. Dadurch fällt die Gatekeeper-Funktion von Journalisten als Kontrollinstanz weg. Oft wird eine wahre Gegebenheit als Grundlage verwendet.

Was Fake-News nicht sind

Fake-News sind keine Falschmeldungen und auch nicht im klassischen Sinne staatliche Propaganda. Weiterhin sind Fake-News nicht zu verwechseln mit Clickbait zur Generierung von Umsätzen.

Der Fall Lisa

Der Fall Lisa zeigt zum einen, wie Fake-News diplomatische Verwicklungen erzeugen kann und zum anderen, wie sie auf Grundlage wahrer Gegebenheiten die öffentliche Meinung beeinflussen können. Im Januar 2016 verschwand die 13-jährige Lisa in Berlin. Nachdem sie wieder auftauchte, erzählte sie in der Vernehmung der Polizei verschiedene Versionen, was während ihrer Abwesenheit vorfiel. Eine Version war, dass südländische Männer sie verschleppt hätten. Später widerrief sie ihre Aussage, die Rekonstruktion ihrer Handydaten bewies, dass sie sich bei ihrem 19-jährigen Freund aufhielt.

Der Fall wurde von rechten Gruppierungen und von russischen Staatsmedien aufgegriffen. NPD und Pegida nutzten den Fall, um für ihre fremdenfeindliche Position zu werben. Sputnik, ein global operierendes Nachrichtenportal, das von einem staatlichen russischen Medienunternehmen gegründet wurde, griff die Geschichte auf und berichtete von der Angst, die sich in Berlin-Marzahn verbreiten würde. Dazu setzt Sputnik stark auf die Emotionalisierung des Themas durch Einbindung von Zitaten. Im ursprünglichen Artikel finden sich beispielsweise folgende Zitate:

„Sie vergewaltigen Mädchen, Kinder. Wenn es so ist, werden wir auf Gewalt mit Gewalt antworten. Anders geht es >nicht”, sagte ein anderer Einwohner von Marzahn.

und

„Ich habe seit drei Tagen nicht mehr geschlafen. Mein 14-jähriges Kind geht in die Schule an einem Heim >vorbei“, sagte Lidia Guter.

Es folgten Demonstrationen in Berlin-Marzahn selbst, aber auch vor dem Kanzleramt.Auch in anderen Teilen Deutschlands kam es zu Demonstrationen von Russlanddeutschen. Der russischen Außenminister Sergej Lawrow sprach von Vertuschung durch die Behörden.

Der Fall Lisa ist damit ein klassisches Beispiel für Fake-News: Zwar fanden die Vergewaltigungen an diesem Tag nachweislich nicht statt, vielmehr verbrachte das Mädchen einvernehmlich Zeit mit ihrem Freund. Die ursprünglichen Vorwürfe wurden stattdessen verstärkt, emotionalisiert und verbreitet mit dem Ziel, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Ziel der Manipulation könnte es gewesen sein, dass Vertrauensverhältnis zwischen öffentlichen Institutionen und Bürgern in Deutschland zu erschüttern. 3Gefahren

Im Gegensatz zu den durch Verlage verbreiteten Nachrichten werden Fake-News stark über soziale Netzwerke verbreitet. Durch aufreißerische Aufmachungen wird eine große Leserschaft generiert. Da auf Facebook und mittlerweile auch auf Twitter eine Sortierung von Meldungen anhand der Beliebtheit stattfindet, finden Fake-News überdurchschnittlich große Verbreitung. Eine ergänzende Information durch Medien findet nicht zwangsläufig statt. Der Effekt der Filter Bubble verstärkt das Herausbilden eines einseitigen Meinungsbilds. Wird über einen längeren Zeitraum suggeriert, dass andere, insbesondere etablierte Medien, Falschinformationen vermitteln, verengt sich die Weltsicht von Rezipienten enorm, was sie noch empfänglicher für Fake-News und Propaganda macht.

Maßnahmen

Es sind verschiedene Ansätze denkbar, um Fake-News zu bekämpfen.

Langfristig ist ein erhöhtes Maß an Medienkompetenz in der Bevölkerung zu schaffen. Ein Großteil der unseriösen Seiten lassen sich mit geübten Auge schnell erkennen, sei es anhand von branchenüblichen Floskeln oder propagandistischen Tendenzen. Auch das Prüfen des Urhebers zeigt in vielen Fällen schnell auf, welche Motivation hinter einem Text stehen könnte.

Kurzfristig sind Reaktionen der Plattformanbieter nötig, um die virale Verbreitung propagandistischen Materials zu verhindern. Die Existenz von Websites zweifelhaften Inhalts ist nicht die Gefahr, sondern deren Verbreitung über soziale Netzwerke, die gleichzeitig durch das Teilen eines Freundes Vertrauen auf Vorschuss generiert. Dazu müssen Meldungen von Nutzern ernst genommen werden. Plattformbetreiber als Störer sollten allerdings auch proaktiv werden. Dazu werden bei den großen Netzwerken Facebook und Twitter massiver Personaleinsatz sowie unterstützende technische Hilfsmittel nötig sein.

Gefahren einer Überreaktion

Zensur

Staatliches Handeln darf nicht zur Zensur werden. Ein vom Bundesinnenministerium ins Spiel gebrachte Abwehrzentrum gegen Desinformation ist ein falscher Schritt. Der Staat hat kein Monopol auf die Wahrheit und darf nicht entscheiden können, welche Aussage richtig und welche falsch ist. Diese Entscheidung ist im Falle einer möglicherweise strafbewehrten Aussage von Gerichten zu treffen, nicht aber bei der Exekutive anzusiedeln. Der vom Bundesinnenministerium herangezogene Vergleich mit der Kampagne EU vs Disinfo hinkt, da diese weder die Befugnis noch das Ziel hat, Aussagen zu verbieten oder zu verhindern.

Overblocking

Nicht nur seitens des Staates sollte eine Überreaktion vermieden werden. Zu stringente technische Maßnahmen könnten zu einem Overblocking führen, also das Herausfiltern von zu vielen Inhalten, die harmlos oder zumindest nicht Ziel der Filterregel sind. 2016 warnte bereits der Europarat vor Overblocking als Gefahr für Meinungs- und Informationsfreiheit. Anders als dem Staat steht es gewerblichen Diensteanbietern frei, auf ihrer Plattform zu filtern, was und wie sie möchten. Insofern ist zu prüfen, ob es möglich ist, Plattformanbieter rechtlich an Vorgaben zu binden, die eine Zensur verhindern.

fake-news.txt · Zuletzt geändert: 2018/01/25 23:03 von eric