Redigieren

In der exakten Wortbedeutung hat das Wort „redigieren“ zwei ähnlich scheinende, jedoch trotzdem voneinander abgrenzbare Bedeutungen. Zum Einen kann es bedeuten, dass ein Text für die Veröffentlichung überarbeitet wird und zum Anderen, dass eine Sammlung an Schriftstücken inhaltlich und strukturell zusammengestellt werden. Das bedeutet man kann sowohl einen Text, als auch eine Zeitschrift redigieren. Der Wortursprung liegt im Lateinischen und bedeutet „in Ordnung bringen“.

Anwendung in journalistischer Praxis

Das Redigat, in journalistischen Kontexten auch Schlussredaktion genannt, grenzt sich in seinen Arbeitsschritten vom Korrekturat bzw. dem Lektorat ab. Bei letzterem wird vorrangig auf eine rein sprachkorrekte Ausarbeitung des Textes geachtet - das bedeutet Rechtschreibung und korrekte Grammatik werden kontrolliert. Beim Redigieren werden weitere textliche Aspekte hinsichtlich Inhalt und Form in den Blick genommen. Beispielsweise wird bei dieser Form der Überarbeitung darauf geachtet, dass der Text - egal welche konkrete Form er hat (z.B. Reportage oder Porträt) - kausal in sich stimmig ist und sich der/die Autor:in beispielsweise nicht selbst widerspricht. Außerdem wird auf eine abwechslungsreiche und dem Kontext der Veröffentlichung entsprechende Wortwahl geachtet. Weiterhin wird auch auf die äußere Form des Textes geachtet, dabei wird genau analysiert und bei Bedarf korrigiert, wie der Text aufgebaut und strukturiert ist.

Beispiel

Zur genaueren Illustration von Arbeitsschritten während einer Redigatur, hier ein kurzer Absatz aus einem fiktiven Textentwurf eines Artikel über ein besetztes Haus in einer Lokalzeitung:

Die Hausbesetzer, die sehr eindeutig der Hippie-Szene zugeordnet werden können, besetzen nun seit über 5 Jahren die alte Stadtvilla am Rand der Stadt. So langsam aber sicher wird es nun Zeit für die Stadt einzugreifen und Kontrolle über die Immobilie zu gewinnen. Letzte Woche hat die Polizei sich eingeschaltet und versucht mit einer Hausdurchsuchung die Bewohner zum Auszug zu zwingen.

fiktive Anmerkungen zum Redigat

Die Redaktion der Zeitung hat sich kollektiv dafür ausgesprochen Worte in einer geschlechtsneutralen bzw. gegenderten Art und Weise zu verwenden. Daher würden die Worte „Hausbesetzer“ und „Bewohner“ zu „Hausbesetzer:innen“ und „Bewohnende“ umgewandelt werden.

Es sollte immer darauf geachtet werden, dass es bei Bezeichnungen von Menschen, zu keinen voreingenommenen Fremdzuschreibungen kommt bzw. der/die Autor:in einen passenden Jargon verwendet. In diesem Falls ginge es um die Wendung „Hippie-Szene“. Besser wäre es beispielsweise zu sagen „links-alternativen Szene“.

Wichtig ist auch, dass die gleichen Worte nicht zu häufig vorkommen, sondern Synonyme bzw. andere Umschreibungen verwendet werden. Hier ginge es um „Stadt“ - es kommt drei mal innerhalb weniger Worte vor „Stadtvill“, „Rand der Stadt“ und „die Stadt“. Besser wäre es beispielsweise beim dritten Mal zu schreiben: „[…] wird es nun Zeit für die städtischen Behörden“ oder „[…] wird es nun Zeit für die Gemeinde“.